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Neu-Skuller Hannes Ocik: Olli Zeidler ist mein Trainingspartner

Hannes Ocik sitzt seit 2013 im Deutschland-Achter, wurde dreimal Weltmeister, siebenmal Europameister und gewann zweimal olympisches Silber. Nun schult er auf das Skullen um. Mit rudersport sprach er über diesen Wechsel, seine neuen Ziele und seine neue Freundin.

Herr Ocik, Sie haben sich aus dem Deutschland-Achter verabschiedet und sehen Ihre Zukunft im Skullen. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Ich war nun lange im Achter und gehörte einer großen Mannschaft an. Ich wollte einfach einen neuen Reiz setzen und etwas anderes probieren. Ich möchte noch mehr herausfinden, wo meine eigenen Grenzen liegen. Das ist im Riemenbereich aus bekannten Gründen limitiert. Ich verspüre dadurch eine ganz neue Motivation. Das hat mich letztlich auch motiviert, im Rudersport zu bleiben.

 

Das klingt als wäre ein Karriereende eine Option gewesen?

Ich hatte intensiv darüber nachgedacht und mit meinen Eltern und mit meiner Freundin darüber gesprochen. Aber wir kamen zu dem Ergebnis, dass ein komplettes Karriereende zu früh käme.

 

Welche Erfahrungen haben Sie im Skullen?

Ich bin im Junioren-Bereich Vizemeister im Doppelzweier geworden, bin außerdem einmal auf der Dortmunder Langstrecke im Einer gestartet und Zwölfter geworden. Internationale Wettkampferfahrung habe ich nicht. Aber ich bin in den vergangenen Jahren im Training regelmäßig zum Ausgleich Einer gefahren. Dies ist kein totales Neuland für mich.

 

Wie herausfordernd ist es, vom Riemen auf Skulls zu wechselt?

Die Bewegungsabläufe sind teilweise anders, vor allem, was die Handbewegung und die Handführung angeht. Es wird für mich eine große Herausforderung, die nötige Balance zu finden. Außerdem ist der Einer noch dynamischer. Man muss sehr athletisch sein. Das wird spannend, reizt mich allerdings auch sehr.

 

Sind Sie zuversichtlich, beim Skullen ein ähnlich hohes Niveau erreichen zu können wie beim Riemenrudern?

Ich bin realistisch und weiß, dass ich erst einmal tieferstapeln und mich Woche für Woche reinarbeiten muss. Wo die Reise dann hingeht, ist offen. Meine Zielsetzung besteht einfach darin, das Maximum herauszuholen. Ich bin aber auch realistisch und weiß, dass ein Disziplinwechsel nicht von heute auf morgen funktioniert. Das erfordert Geduld, weil es auch Rückschläge geben wird. Mein erstes Ziel liegt darin, auf der Langstrecke in Leipzig ein solides Ergebnis abzurufen und auf der Kleinbootmeisterschaft einigermaßen solide dazustehen. Eines ist klar: Was ich mir im Riemenbereich über 15 Jahre an Fähigkeiten aufgebaut habe, kann ich nicht sofort Eins-zu-Eins auf das Skullen übertragen. Aber das Element Wasser ist das Gleiche. Von daher bin ich trotzdem zuversichtlich.

 

Und Ihr Leistungsmaximum möchten Sie dann pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen 2024 erreichen?

Das ist natürlich ein Ziel für mich, sofern die ersten Schritte in die richtige Richtung gehen. Würde ich gleich am Anfang merken, dass ich beim Skullen nicht funktioniere, müsste man das noch einmal überdenken.

Foto: D.Seyb
 

Sie haben damit geliebäugelt, dann möglicherweise im Doppelvierer an den Start zu gehen.

Genau. Rudern ist für mich nach wie vor ein Mannschaftssport. Daher möchte ich immer in der Bootsklasse mit der größten Mannschaft sitzen. Das wäre im Skullbereich der Doppelvierer. Es wäre ein Traum, dort auf der gleichen Position zu sitzen wie im Achter. Aber das ist zunächst einmal nur Wunschdenken. Klar ist aber, dass mein Fokus auf dem Doppelvierer liegt. Der Einer würde mich gar nicht so reizen. Außerdem wäre es alles andere als realistisch, mit Oliver Zeidler den amtierenden Weltmeister zu schlagen. Ich sehe ihn im Einer ganz weit vorne. Er ist in München ja auch mein Trainingspartner.

 

Dass sie nach München gezogen sind, hängt auch mit Ihrem Privatleben zusammen, weil Sie mit der ehemaligen Leichtathletin und heutigen Sky-Moderatorin Nele Schenker liiert sind. Sie sollen sich im Vorfeld der Olympischen Spiele bei einem Interview kennengelernt haben…

Ja, das stimmt. Wir haben uns durch das TV-Format „Team Tokyo“ kennengelernt, das sie moderiert und gestaltet hat. Dadurch haben wir uns häufiger gesprochen und konnten uns als Mensch einschätzen. Und manchmal gibt es eben Momente im Leben, in denen man sich in die Augen schaut und merkt, da könnte mehr draus werden.

 

Ihre Freundin erhielt bei dem Pay-TV-Sender das eigene Fitness-Format „SkyGym“. Lassen Sie sich teilweise auch von Ihrer Freundin trainieren?

Wir unterstützen und ergänzen uns gegenseitig. Ich habe einige Workouts, die Nele für „SkyGym“ aufgenommen hat, fest in mein Training eingebaut – vor allem die Trainingsprogramme für den Bereich Bauch und Rücken. Außerdem hat sie mich noch einmal für den Bereich Ernährung sensibilisiert. Sie hat meinen Horizont erweitert. Auch das kann für meine sportliche Zukunft ausschlaggebend sein.

 

Der mittlerweile zurückgetretene Bundestrainer Christian Felkel hat im Interview mit rudersport festgestellt, dass man als „Sportler nicht ein Haus bauen, Medizin studieren und noch schnell eine Olympia-Medaille gewinnen“ kann. Hat er Recht?

Grundsätzlich sehe ich das genauso. Ich denke allerdings, dass man die jeweilige Lebensphasen der Athleten berücksichtigen sollte. Ein Athlet, der Anfang 20 ist, befindet sich in einer ganz anderen Situation als ein 30-Jähriger. Wenn man erfolgreich Leistungssport betreiben möchte, muss man all das berücksichtigen. Die Neuseeländer sind hier ein gutes Beispiel. Dort dürfen die Familien mitsamt Kindern in das Trainingslager mitreisen. Dadurch bleiben einige Athleten weit über die 30 Jahre hinaus dem Sport treu. Man muss die richtige Balance zwischen Leistungssport und Privatleben finden.

 

Und wie ist die Situation in Deutschland?

Ich sage immer, wir sind die professionellsten Amateursportler, die es in der Welt gibt. Wir trainieren dreimal pro Tag, die Ernährung wird hinterfragt, das Schlafen reguliert usw. Aber in anderen Bereichen haben wir Luft nach oben. Den vollen Fokus, den zum Beispiel die Briten auf das Rudern setzen, bekommen wir auch finanziell nicht gestemmt. Ich bin bei der Polizei, andere sind zum Beispiel bei der Bundeswehr, um den finanziellen Rückhalt für jetzt und für die Zukunft zu haben. Daher muss ich auch meiner Arbeit nachgehen. Da gibt es kein Drumherum. Aber ich wurde vor den Olympischen Spielen zwei Jahre vom Dienst freigestellt, sodass ich den vollen Fokus hatte. Aber hinterher war das nicht mehr möglich. Man muss als Ruderer immer schauen: Wo bleibe ich nach der Karriere? Ich und auch viele andere Ruderer können es sich nicht leisten, sich dauerhaft vollkommen auf den Sport zu fokussieren. Die duale Karriere muss parallel dazu vorangetrieben werden.

Das Gespräch führte Oliver Jensen

 

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