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„Den Erfolg von Tokio hätten wir nicht haben dürfen“

Martin Sauer ist seit 2009 Steuermann des Deutschland-Achters. Im Finale von Tokio ist er sein letztes Rennen gefahren. Im Gespräch mit rudersport beschreibt er die olympischen Rennen aus seiner Sicht – und wirft einen kritischen Blick auf die Trainingsbedingungen des Deutschland-Achters.

Herr Sauer, haben Sie sich an ein Leben ohne Rudern schon gewöhnt?

Zunächst gewöhne ich mich nach der Rückkehr aus Tokio mich an unsere Zeitzone und gehe alles in Ruhe an. Aber langsam wird mir bewusst, dass es mein letztes Rennen war und nun etwas Neues beginnt. Ich habe noch keine festen Pläne, überlege, mein zweites Staatsexamen in Jura anzugehen oder eine Trainerausbildung. Aber das möchte ich erst einmal für mich ausloten.

Käme für Sie auch ein Ehren- oder Hauptamt beim DRV in Betracht?

Genug zu tun gäbe es, das fällt einem, wenn man so viele Jahre dabei war, besonders deutlich auf. Jeder spürt, dass sich etwas verändern muss, aber es gibt kaum konkrete Vorstellungen, in welche Richtung man gehen sollte.

Wo liegen denn die Probleme?

Im Leistungssport fehlt eine klare Zuordnung der Kompetenzen. Das Ehrenamt kann allein schon aufgrund der fehlenden Zeit viele Aufgaben nicht übernehmen, es sollte sich auf seine Aufsichtsfunktion beschränken. Im Hauptamt sollten die Aufgaben richtig und klar abgegrenzt sein, momentan läuft vieles durcheinander. Der erste Schritt wäre also eine Art Rollenklärung innerhalb des Verbandes, aber auch in der Zusammenarbeit zwischen Verband und Vereinen.

Wir haben doch eine Trennung von Haupt- und Ehrenamt, die aufgrund von Nachforderungen des Bundesinnenministeriums inzwischen nachgeschärft wurde. Die Doppelzweier fahren doch nicht deshalb hinterher, weil beim DRV die Stelle des Generalsekretärs unbesetzt ist, oder?

Natürlich gibt es keine unmittelbare Verbindung dazwischen, aber es ist falsch zu glauben, dass eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Wir müssen erheblich in unsere Strukturen investieren, in erster Linie in unsere Trainerstruktur. Wir brauchen keinen Heilsbringer an der Spitze, sondern wir brauchen mehr Qualität auf der Ebene darunter und auf Vereinsebene. Wenn wir einmal fragen, welche Rolle spielen Vereins-, Landes- und Bundestrainer im Getriebe Leistungssport, dann fällt es schwer zu bestimmen, wer da genau welche Aufgabe hat. Es stellt sich auch die Frage nach den Auswahl: Nach welchen Kriterien wird jemand eingestellt? Wird das an Erfolgen geknüpft? Werden Trainer bei uns nach Leistung und Erfolgen eingestellt? Oder nach dem Zufallsprinzip, wer gerade am richtigen Ort ist. Ich kann da keine Systematik erkennen.

Auf harte Leistungskriterien sind die Verträge offenbar nicht ausgerichtet. Wir haben ja eine Reihe von Trainern, die seit Jahren international nicht erfolgreich waren.

Ja, das ist ein Thema, das die Athleten auch sehr bewegt. Wir Sportler kommen ins Boot, weil wir auf dem Ergo eine hohe Wattzahl erreichen oder im Boot eine gute Zeit gefahren sind. Bei den Trainern ist mir der Weg gar nicht klar, wie wer auf welche Position gelangt. Es ist nicht so, dass ein toller Vereinstrainer irgendwann Landestrainer wird und dann vielleicht Bundestrainer. Dies spiegelt sich auch in der Bezahlung wider. Trainer mit großem Verantwortungsbereich werden teilweise schlechter bezahlt als Trainer, die nur wenig zu verantworten haben. Richtig kompliziert wird es dann auf der Nahtstelle zu den Vereinen.

Inwiefern?

Die Vereine sind der große Nachwuchsgenerator, hier wachsen die Talente heran. Da muss angesetzt werden. Die großen Vereine, die viel Geld in die Förderung des Nachwuchses stecken, wollen sich mehr beteiligt sehen. Ich selbst bin Mitglied des Berliner Ruder-Clubs, einem Verein, der viel Power und Geld in den Leistungssport steckt, weil er ihm wichtig ist. Dies wird von Verbandsseite manchmal unterschätzt. Auf der anderen Seite kann es nicht sein, dass der Verein die Aufgaben eines Bundestrainers übernimmt oder ein Stützpunkt immer gerade dort eingerichtet wird, wo gerade viele Sportler sind. Wenn man im internationalen Rudern Erfolg haben will, braucht es zentrale Strukturen. Aber die Nahtstellen müssen klar definiert sein und offen und transparent kommuniziert werden – da herrscht zu viel Durcheinander und manchmal auch Gegeneinander.

Brauchen wir mehr Impulse aus dem Ausland?

Was Trainer angeht sicherlich nicht. Erfolgreiche Toptrainer aus dem Ausland können wir uns finanziell nicht leisten. Wir sollten eher schauen, welche Möglichkeiten wir hier haben. Christian Felkel, der im Ausland gearbeitet hat, als neuen Cheftrainer einzustellen, ist deshalb sicherlich nicht verkehrt. Sich vom Ausland inspirieren zu lassen und zu schauen, wie man dort die Sache angeht, ist gut. Aber dafür braucht es keinen ausländischen Trainer, wir brauchen einen eigenen Trainernachwuchs.

Sie selbst sind seit 2009 Steuermann im Achter, haben viele Ruderer kommen und gehen sehen. Wenn Sie den Achter von 2009 mit dem von 2021 vergleichen, wo liegen die Unterschiede?

Wenn ein Ruderer im Achter wechselt, hast du eine neue Mannschaft. Das haben wir über die ganze Jahre erlebt, denn Leistungssport ist immer im Fließen. Wenn ich zurückschaue, ist wohl nur die Bootsform ähnlich geblieben, allein schon das Material hat sich geändert, ist härter geworden, auch die Einstellungen an den neuen Auslegern haben sich geändert. Die Veränderungen bei den Athleten sind noch spürbarer. Die jüngere Generation ist mit dem Internet und Social Media groß geworden, für die Generation von 2009 war das alles neu. Das hat auf den ersten Blick nichts mit Rudern zu tun, aber auf den zweiten eben doch: Unsere physische Leistungsfähigkeit ist seit 2009 Schritt für Schritt runtergegangen. Das liegt nicht am Training, sondern weil wir nicht konsequent nach Leuten suchen, die eine höhere Leistungsfähigkeit haben. Die heutige Rudergeneration ist viel stärker an Selbstoptimierung interessiert. Das fängt bei der Selbstdarstellung in den sozialen Median an, aber auch gesundheitlichen Fragen sind wichtiger geworden. Wie ernähre ich mich richtig? Wie viel Schlaf ist für mich optimal? Die Selbstverantwortung hat unglaublich zugenommen. Die heutige Rudergeneration ist selbstständiger und selbstbewusster und verlangt den Trainern auch deutlich mehr ab. Wir haben auf der einen Seite also eine sehr selbständige Generation, die vieles auf einem hohen Niveau allein und eigenverantwortlich regelt, und dann natürlich dem Trainer Fragen stellt, warum bestimmte Sachen so gemacht werden müssen. Früher wurde einfach gemacht, was der Trainer angeordnet hat.

Da scheint die Passung zwischen Athleten und Trainer nicht mehr ganz zu stimmen.

Vielen älteren Trainern fällt das nicht so leicht. Heute muss man viel häufiger mit den Athleten diskutieren über den richtigen Weg. Hinzu kommt, dass wir immer weniger sehr starke Athleten haben, sodass sich die Athleten auch ihrer eigenen Stärke bewusst werden. Wenn im Riemenbereich kein konkurrenzfähiger Zweier und Vierer existiert, sondern nur der Achter, dann wissen die Athleten, das ohne sie nicht sehr viel geht. Das ändert die Verhältnisse.

Warum haben wir diese Probleme im Riemenbereich?

Wenn ich im Männer-Riemenbereich fünf, sechs Jahre zurückschaue auf die U23-Weltmeisterschaften, dann kann ich grob erkennen, wo ich die aktuelle Mannschaft herkommt. Unsere heutige Generation hatte ihre Erfolge im U23-Bereich. Bei der U23-WM in diesem und letztem Jahr konnten wir erkennen, wo wir im Riemenbereich in vier bis sechs Jahren stehen. Der Achter hat Bronze geholt, da wächst also seit zwei Jahren etwas heran, aber das wird noch dauern. In den Jahren davor hatten wir weniger Erfolg und man muss sagen, wo kein Erfolg ist, werden Fehler gemacht.

Welche Fehler?

Ein Fehler war der Versuch der Dezentralisierung nach dem schlechten Abschneiden 2008 in Peking, der nicht wieder richtig in Richtung Zentralisierung umgeschlagen wurde. Das rächt sich inzwischen. Man könnte den Prozess umkehren, aber das würde auch wieder seine vier bis sechs Jahre dauern. Dazu fehlt bei uns die Geduld, das sehen wir bei dem Projekt im Frauen-Riemenbereich. Da wurde vor zwei Jahren mit Tom Morris etwas begonnen, was auch schon erste Früchte zu tragen begann. In Poznan 2020 lief der Achter schon ganz gut, das Team arbeitete gut zusammen. Für die Olympiaqualifikation im Mai wurden schnell einige Skullerinnen ins Boot gesteckt. Gebracht hat es nichts, aber die Mannschaft wurde auseinandergerissen und der eigentliche Aufbauprozess wurde abgebrochen. Wenn zwei Skullerinnen ins Boot kommen, müssen zwei Ruderinnen raus, die den ganzen Winter trainiert haben. Aus solchen Gründen landen wir da immer wieder bei null.

Sie denken in langen Perioden. Andere führen das mäßige Abschneiden in Tokio gerade auf die Leistungssportreform zurück, die vor vier Jahren begonnen wurde. Das wäre aus Ihrer Sicht ja viel zu kurz gesprungen.

Genau. So kurzfristig funktioniert der Sport nicht. London 2012 war ein Erfolg der Zentralisierung, die unter Dieter Grahn acht Jahre lang betrieben wurde. Wir waren dort erfolgreich, weil die U23-Mannschaften jahrelang miteinander trainiert hatten und sich gut kannten. Die nach 2008 einsetzende Dezentralisierung hat den U-23-Generationen, die jetzt hochkommen sollen, am meisten geschadet. Denn in diesem Alter bilden sich durch das gemeinsame Rudern die nötigen Fähigkeiten auf ganz natürliche Weise aus, die sich später so nicht mehr erzeugen lassen. Und nur wenn die Guten sich gegenseitig pushen, werden sie auch besser und bleiben nicht stehen. Diese Prozesse dauern und deshalb haben die Resultate von Tokio nichts mit der Zentralisierung zu tun, die ja mehr angesagt als gelebt wurde. Da müssten wir noch einige Jahre warten, aber dafür fehlt die Geduld.

Siegerehrung: Schlagmann Hannes Ocik hängt Martin Sauer die Silbermedaille um.  Foto: Soeters

Lassen Sie uns über Tokio sprechen. Im Vorlauf ziehen die USA davon, der Deutschland-Achter fährt hinterher. Zu welchem Zeitpunkt im Rennen fiel bei Ihnen die Entscheidung, die Amerikaner nicht ziehen zu lassen? Wäre es schiefgelaufen, hatten Sie in den Hoffnungslauf gemusst und unnötig Körner verschenkt.

Die Entscheidung war relativ einfach. Solange eine Chance besteht, den Vorlauf zu gewinnen, versucht man dies auch. Außerdem: Der Hoffnungslauf wäre nicht so ein Drama für uns gewesen. Ich hatte vorher auch damit gerechnet, das ist die typische Strategie von Mike Teti. Das US-Boot hatte vier Neue aus dem Nachwuchsbereich im Boot, sie hatten sich also erheblich verstärkt. Wir sind ganz vernünftig losgefahren und haben gemerkt, dass sie über die Strecke nicht weggekommen sind. Wir mussten nicht viel machen, um dranzubleiben, aber wir kamen auch nicht vorbei. Kurz vor der 1500 m-Marke war der Punkt, an dem wir versuchen mussten, richtig kräftig an ihnen vorbeizukommen – oder es zu lassen. Dies war die einzige Entscheidung, die zu fällen war. Die US-Jungs konnten das Tempo nur halten, aber nicht zulegen, also haben wir es probiert. Sehr stark von meiner Mannschaft war, von diesem Zeitpunkt an voll draufzugehen und nichts sparen zu wollen oder zu zweifeln – und bei 1800 m waren wir vorbei und die Amerikaner sind ein wenig „geplatzt“, als wir vorbeizogen, da war für sie das Rennen gelaufen.

Nach diesem guten Rennen kam von Mannschaftsseite, dass noch einige Probleme abgestellt werden müssten. Welche waren das?

Von außen sieht ein Rennen immer anders aus als von innen. Ein Problem waren sicherlich die zweiten 500 m. Es gab eigentlich keinen Grund, die Amerikaner so ziehen zu lassen. Da waren wir einen bisschen zu ängstlich. Mir war klar, dass wir das Finale so nicht fahren konnten, da bekommst du hinten vielleicht nicht mehr die Möglichkeit, es zurückzubiegen. Ein Finale muss man mit mehr Mumm angehen.

Zweifel waren ja angebracht: Bei der EM in Varese im April fehlte es ja gerade in dieser letzten entscheiden Phase. Erst der Vorlauf von Tokio hat Euch bescheinigt, dass Ihr Varese überwunden hattet.

Vielleicht haben einige dies vor dem Rennen noch im Hinterkopf gehabt und sich gefragt, ob man hinten die Power hat oder nicht. Varese aber war ein physisches Problem, kein mentales. Da wurden trainingsmethodische Fehler gemacht, die Einstellung der Mannschaft hat gestimmt.

Weil vor dem Wettkampf keine 2.000 m trainiert wurden?

Ja, wir waren nicht darauf vorbereitet, auf dieser Streckenlänge die optimale Leistung abzurufen. Die Laktatbildungsfähigkeit, die man braucht, um 2.000 m auf höchstem Niveau zu rudern, war nicht da. Es reichte nur für 1.000 m. Deshalb war völlig egal, wie wir vom Start weggefahren sind, am Ende sind wir hinterhergefahren. Die Mannschaft war im Ausdauerbereich völlig übertrainiert, ein 10 km-Rennen hätten wir wahrscheinlich locker gewonnen. Es war für die Jungs sehr deprimierend. Sie hatten den Eindruck, viel trainiert und alles ins Rennen investiert zu haben – und die Gegner fuhren einfach davon.

Nach Varese wurde das Training verändert?

Es war absolut notwendig, auf spezifisches Krafttraining umzustellen. Damit haben wir einen großen Teil des Defizits wieder heraustrainiert. Uns war aber klar, dass dies bis Tokio dauern würde. Als Mannschaft sind wir dieses Risiko des Umstellens gemeinsam angegangen, denn mehr als eine Umstellung wäre bei der kurzen Zeit bis Tokio nicht mehr drin gewesen. Wenn wir nicht umgestellt hätten, wäre wir ohne Chance gewesen, wäre die Umstellung falsch gewesen, hätten wir auch nichts erreichen können.

Im Finale haben Sie die bekannten Größen – die Niederlande und Großbritannien – in Schach gehalten, aber Neuseeland, der „Dark Horse“, ist davongezogen.

Es war sicherlich das beste Rennen, das wir in diesem Jahr gefahren sind. Uns war allerdings schon vorher klar, dass Neuseeland stark war. Sie haben ihren Top-Zweier ins Boot geholt, dazu noch den dreifachen Olympiasieger Hamish Bond. Und sie haben wie andere Nationen auch sich mit zwei, drei Ruderern aus dem Nachwuchsbereich verstärkt. Mir ist seit 2020 klar, wir würden keine Verstärkung aus dem Nachwuchsbereich bekommen. Da ist niemand, der eine ernsthafte Verbesserung für den Achter bringen würde. Uns läuft allmählich die Zeit aus.

Über die Streckenmitte waren die Neuseeländer deshalb sehr stark. Wir hatten vorne und hinten die Fähigkeit, mit ihnen mitzuhalten, aber nicht über die gesamte Strecke. Der Sieg der Neuseeländer war also keine Überraschung. Sie waren zwar bei der WM drei Jahre nicht präsent, hatten aber 2019 in Henley die Engländer mit einer Länge Vorsprung besiegt. Die zwei Jahre danach haben sie gut genutzt und sich systematisch verstärkt. Die Überraschung war eher, dass sie ihren Vorlauf nicht gewonnen haben.

War es vielleicht Taktik, sich für das Finale zu schonen?

Ich denke, sie hatten wenig Rennpraxis und brauchten ein bisschen, um sich zu finden. Sie sind sicherlich nicht absichtlich hinter den Holländern hergefahren. Das Rennen hat ihnen geholfen und sie konnten noch einige Änderungen vornehmen.

Um den Deutschland-Achter wird mir nun doch ein wenig bange, wenn Sie sagen, dass da keine echte Verstärkung in Sicht ist.

Nun hören auch nicht alle auf und es gibt ja einen guten U23-Bereich. Aber kurzfristig darf man sich schon Sorgen machen. Denn hier rächt sich, dass Vierer und Zweier nicht qualifiziert waren. Denn dies sind typischerweise diejenigen, die in den Achter aufrücken. Hoffnung dagegen machen die Ergebnisse des U23-Achters, aber das braucht noch zwei, drei Jahre. Aber man muss schon sehen: Langfristig gesehen hätten wir den Erfolg von Tokio gar nicht haben dürfen. Dafür war die Nachwuchsarbeit viel schluderig und die Voraussetzungen zu schlecht. Die Mannschaft hat am Ende alles gegeben und ist mit einer unglaublichen Willensleistung über mehrere Jahre in diese Position gerudert – mit einer Physis, von der jeder internationale Trainer sagen würde, dass man damit nicht mithalten könne. Für mich hat es gezeigt, dass eine Mannschaft, die zusammenhält, viele Defizite ausgleichen kann. Das gibt mir Hoffnung.

Steht denn Ihr Nachfolger als Steuermann fest?

Auf dieser Position haben wir die geringsten Sorgen. Ich gehe davon aus, dass dies Jonas Wiesen sein wird, der bereits sehr erfahren ist und solange es den Zweier mit gab, von jeder WM mit einer Medaille zurückgekehrt ist.

Sie sind in all den Jahren unzählige Rennen gefahren? War das perfekte Rennen dabei?

Wir hatten viele gute Rennen, bei dem das Boot gut lief und wir nahe dran waren am Optimum. Als mich Hannes Ocik dasselbe vor zwei Jahren gefragt hat, habe ich gesagt: Ich hoffe, das kommt noch. Inzwischen glaube ich, dass es das perfekte Rennen nicht gibt. Das passt ja nicht zusammen, gut zu rudern und ein enges, umkämpftes Rennen. Entweder rudert man sehr gut, dann fehlt der Gegner, weil er weit zurück ist. Oder es ist ein knappes Rennen, dann läuft es meist nicht so rund.

Der Vorlauf bei den Spielen in London war ein sehr gutes Rennen: Wir sind gegen alle Medaillenkandidaten gefahren, das Boot lief super, das Wasser war glatt, die anderen kamen gar nicht hinterher. Im Finale konnten wir das nicht wiederholen, das war total holprig. Und als wir in Poznan die Weltbestzeit gefahren sind, waren wir quasi frei vom Gegner, so groß war die Führung.

Haben Sie gezählt, wie oft Sie die Mannschaft nach einem Sieg ins Wasser geworfen hat?

Gezählt habe ich das nicht. Wir sind im Achter inzwischen dazu übergegangen, dies auf das Saisonende zu verschieben. Es ist nämlich wirklich kein Vergnügen, an einem kalten Maitag den Steuermann zu tunken, wenn es nur 10 Grad hat und er anschließend nass rumsitzt und sich eine Erkältung einfängt. Das hat auch die Mannschaft inzwischen eingesehen.

Das Gespräch führte Thomas Kosinski