Wanderrudern & Reisen

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Frankreich: Stille Zeit in der Bretagne

Die Îles de Glénan sind ein Archipel von neun Inseln und unzähligen kleineren Eilanden, das 20 Kilometer vor der Küste des Départements Finistère im Süden der Bretagne inmitten des Atlantischen Ozeans liegt. Wegen seiner weißen Strände und des smaragdgrünen Wassers auch bretonische Seychellen genannt. Der Ruderverein L‘Aviron Concarnois veranstaltet alle zwei Jahre eine zweitägige Wanderfahrt auf diese Inseln. Dieses Jahr durften sechs Ruderer aus Düsseldorf an der Rudertour über das offene Meer teilnehmen – mit Küsschen, Rilette und bretonischer Spucke.

An einem Samstagmorgen Mitte Juni geht es endlich los. Wir stehen mit pochenden Herzen auf dem Bootshof des Rudervereins in Concarneau. „Wir“, das sind sechs Mitglieder des Düsseldorfer Rudervereins 1880, des Ruderclubs Germania Düsseldorf und des Neusser Rudervereins. Alles erfahrene Ruderer, die jedes Jahr an zahlreichen Wanderfahrten auf Flüssen und Seen in ganz Europa teilnehmen. Doch heute ist alles anders und wir sind aufgeregt wie an unserem ersten Schultag. Der Ruderverein L’Aviron Concarnois hat uns eingeladen, an ihrem „Weekend aux Glénan“ teilzunehmen, einer zweitägigen Wanderfahrt, bei der wir mit Küstenruderbooten 20 Kilometer über den Atlantik bis zu der Inselgruppe der Îles de Glénan rudern werden. Das Abenteuer kann beginnen.

Nach überschwänglicher Begrüßung – Küsschen links und Küsschen rechts – geht es dann auch zügig los. Unser Übernachtungsgepäck und die gesamte Verpflegung werden auf zwei Segelboote verladen, die uns auf die Inseln begleiten werden. Es folgt die obligatorische Fahrtenbesprechung. Wir werden mit drei gesteuerten Doppelvierern in See stechen. Francis gibt die Bootseinteilung und die geplante Strecke bekannt und ermahnt uns, bei der Überfahrt zusammenzubleiben. Neben den Segelbooten wird uns noch ein Motorboot begleiten. Dieses „Secu“ wird dicht an den Ruderbooten bleiben, um im Notfall eingreifen zu können.

Überhaupt wird das Thema Sicherheit groß geschrieben. Jedes der Ruderboote ist mit einem eigenen Handfunkgerät und Kompass ausgestattet. Für den Notfall gibt es Signalraketen an Bord. Jeweils fünf Feststoffschwimmwesten werden hinter dem Steuersitz befestigt.

Gewöhnungsbedürftige Ruderboote

Die Ruderboote sind für uns Binnenruderer gewöhnungsbedürftig, unterscheiden sie sich doch sehr von den Gig-Booten, in denen wir sonst rudern. Die „Yoles de Mer“ haben einen breitgezogenen Rumpf mit durchgängigen Luftkästen, ähnlich dem einer Segeljolle. Das Heck der Boote läuft offen aus, damit das aufgenommene Wasser dort wieder ablaufen kann. Die hochklappbaren Ausleger sind relativ weit innen am Bootsrumpf befestigt, so dass die Dollen nur wenig über den Bootsrand herausstehen. Die Ruderplätze bieten wenig bis gar keinen Stauraum. Lediglich unter dem Rollsitz oder hinter dem Stemmbrett können wir unsere Kentersäcke verstauen. Zu große Taschen müssen hinter dem Steuersitz untergebracht werden.

Jedes der 160 Kilogramm schweren Ruderboote liegt einzeln auf einem Anhänger, den wir aus dem Bootshof zu der 200 m entfernten Rampe an der Anse de Kersaux schieben, wo wir die Boote zu Wasser lassen. Dazu wird der gesamte Anhänger ins Wasser geschoben, bis das darauf gelagerte Ruderboot aufschwimmt. Immerhin haben wir Glück, dass gerade Flut ist. Bei Ebbe müssten wir den Bootsanhänger noch weitere 200m über den Strand schieben, um ins Wasser zu kommen. Der Einstieg ins Ruderboot erfolgt aus dem knietiefen Wasser. Anders als bei uns zu Hause bleibt das relativ lange Steuer erst mal im Boot. Erst bei ausreichender Wassertiefe krabbelt der Steuermann bzw. die Steuerfrau hinter den Steuersitz und legt das Steuer ein. Eine Übung, die die Mitglieder des hiesigen Rudervereins mit erstaunlicher Geschicklichkeit bewerkstelligen.

Das Wasser in der Anse de Kersaux ist spiegelglatt, so dass uns die ersten Ruderschläge leicht von der Hand gehen. Das ändert sich schlagartig, als wir die geschützte Bucht verlassen. Der stramme Wind aus südwestlicher Richtung türmt bereits hier ansehnliche Wellenberge auf. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns später auf dem offenen Meer erwarten wird. Auf Steuerbord liegt Concarneau mit seiner weltberühmten Ville Close. Doch wir haben keine Gelegenheit zu einer Pause. Zum einen wollen wir nicht vom Wind zu weit abgetrieben werden, und zum anderen haben wir bereits jetzt reichlich Wasser in unseren Booten. Damit das über das Heck wieder rauslaufen kann, müssen die Boote in Bewegung bleiben. Wir halten uns südlich und steuern „le Cochon“ (dt. das Schwein) an, ein Leuchtfeuer, dass die Einfahrt in den Hafen von Concarneau markiert. Spätestens hier sollten die Ruderboote eigentlich aufeinander warten. Ein Unterfangen, das durch den weiter auffrischenden Wind und die hohen Wellen behindert wird, so dass unsere drei Boote schließlich weit voneinander entfernt sind, als wir uns auf den Weg zu den Îles de Glénan machen. Nächster Zielpunkt: Die Boje „La Pie“ vor der Insel Saint-Nicolas. Kurs: 210°. Entfernung: 20 km.

Rudern im Niemandsland

Bei genauem Hinsehen ist am Horizont der Leuchtturm von Penfret, der Nachbarinsel von Saint-Nicolas, als kleiner Strich erkennbar. Unsere Steuerleute „zielen“ leicht rechts dieser Landmarke, um auf dem gewünschten Kurs zu bleiben. Hinter uns und für uns Ruderer gut sichtbar liegt die Küste des Festlandes. Geradeaus blicken wir auf Concarneau, links liegen die langen Strände von Mousterlin und Beg Meil, rechts die markante Landzunge von Trévignon. In der ersten Stunde entfernt sich das Festland schnell von uns. Danach befinden wir uns im Niemandsland. Das Festland, mittlerweile nur noch ein Strich am Horizont, scheint sich nicht mehr zu entfernen. Die Glénan-Inseln sind nun ebenfalls am Horizont erkennbar, scheinen aber nicht näher zu kommen. Um uns herum eine unendliche Wüste aus Wellenbergen und -tälern. Unmöglich auszumachen, ob und mit welcher Geschwindigkeit wir uns bewegen. Ein beruhigender Blick auf die GPS-Uhr zeigt jedoch, dass wir uns weiter mit sieben bis acht Stundenkilometern unserem Ziel nähern.

Ist das noch „Coastal Rowing“? Streng genommen müsste man es „Offshore Rowing“ nennen. Wir rudern weiter und kämpfen gegen die mittlerweile stattlichen Wellen an, die wir aufgrund des Gegenwindes mehr oder weniger spitz nehmen müssen. In der Fahrtenbesprechung war von einem Meter Dünung die Rede. Uns scheint das aber deutlich höher zu sein. Wir erklimmen einen Wellenberg nach dem anderen, um dann jeweils wieder krachend in das folgende Wellental zu stürzen. Hier „tanzt“ nicht nur der Bug, sondern das ganze Boot. Die Wellen schlagen ins Boot und wir werden klitschnass. Bei einem der Ruderboote reißen sich die Schwimmwesten los und gehen baden. Mit ihnen die daran gebundenen Kentersäcke mit den Wertsachen. Zum Glück kann das „Secu“ das Treibgut retten und an Bord nehmen. Bei einem anderen Boot schlägt eine besonders heftige Welle das Steuer aus seiner Verankerung, so dass die Steuerfrau ins Heck krabbeln und versuchen muss, dass Steuer wieder einzuhängen. Diese Übung wird jetzt durch den Seegang, der das Heck periodisch unter Wasser drückt, und die überraschend starke Strömung erschwert. Nach einigen Minuten ist das Geduldsspiel erfolgreich bewältigt und das Steuer wieder an seinem Platz. Die Fahrt kann weitergehen.

Etwa zwei Stunden nach unsrem Aufbruch verlassen wir wieder das Niemandsland. Der Leuchtturm von Penfret, der aus den Wellen auf- und wieder abtaucht, ist jetzt deutlich größer und wir sehen, dass wir uns den immer wieder aus dem Wasser tanzenden Inseln nähern. Wir passieren die Île aux Moutons, eine etwas abgelegene Insel des Archipels, die trotz ihres Namens keine Schafe beherbergt. Eine weitere dreiviertel Stunde später haben wir die Boje „La Pie“ (dt. die Elster) erreicht und landen kurz danach am Strand von Saint-Nicolas an. Leider ist das Wetter in diesem Moment nicht wirklich schön und begrüßt uns mit jenem typisch bretonischen Nieselregen, der einen komplett durchnässt und der von den Einheimischen „le crachat breton“ (dt. bretonische Spucke) genannt wird. Uns macht das allerdings wenig aus. Nasser als wir ohnehin schon sind, können wir eh nicht mehr werden.

Ein magischer Ort

Zum Glück wird sich am späten Nachmittag die Sonne zeigen und uns die wahre Schönheit dieses paradiesischen Fleckens Erde – oder besser: Wasser – offenbaren. Die Îles de Glénan bestehen aus neun Inseln und unzähligen kleineren Eilanden, die von smaragdgrünem Wasser umschlossen werden, weswegen sie auch die bretonischen Seychellen genannt werden. Keine Übertreibung, gehört das von kalkreichen Rotalgen (Corallinaceen, fr. Maërl) gefilterte, kristallklare Wasser hier doch zu den saubersten in der ganzen Brétagne. Durch die Gezeiten verändert sich die Landschaft im Minutentakt. Neue Inseln und Felsen tauchen aus den Fluten auf und verschwinden wieder. Wo man eben noch über feinen Sand von einer Insel zur anderen spazieren konnte, haben eine gute halbe Stunde später die Fluten bereits wieder Besitz von dem Strand ergriffen und die Inseln voneinander getrennt. Ein magischer Ort, der uns sofort in seinen Bann zieht.

Saint-Nicolas ist die Hauptinsel des Archipels. Knapp 700 m lang und an der breitesten Stelle 300 m breit. Zu Fuß hat man die Insel in gut 15 Minuten umrundet – wenn man sich Zeit lässt. Der eine Teil der Insel wird von einem der weltweit kleinsten Naturschutzgebiete eingenommen, in dem im Frühjahr die endemische Glénan-Narzisse blüht. Auf dem anderen Teil befinden sich eine Handvoll Gebäude, darunter auch unsere Herberge, die „Gite Sextant“. Hier können bis zu 30 Personen in fünf Räumen mit Etagenbetten übernachten. Es gibt einen großzügigen Gemeinschaftsraum mit Küche. Duschen und Toiletten sucht man allerdings vergebens, da es auf der gesamten Insel kein Frischwasser gibt. Jegliches Trinkwasser muss man selbst vom Festland mitbringen. Ein Bad im kalten Meer ersetzt die Dusche und auf der Wiese hinter dem Haus befinden sich Bretterverschläge mit Plumpsklos. Mit einer Handpumpe kann man gesammeltes Regenwasser aus einer Zisterne pumpen, um sich wenigstens die Hände zu waschen. Alles sehr rustikal, aber irgendwie auch passend zu diesem entschleunigten Ort, an dem Luxus fehl am Platze wäre. Ein altes und sehr lautes Wind­rad an der Westspitze von Saint-Nicolas erzeugt den gesamten Strom für die Insel. Eine nicht sehr zuverlässige Versorgung, weshalb wir in unserer Unterkunft bis auf die Kühlschränke in der Küche auch ohne Elektrizität auskommen müssen.

Nach unserer Ankunft laden wir zunächst unser Übernachtungsgepäck und die mitgebrachten Lebensmittel von den Segelbooten und bringen sie in unsere Unterkunft. Danach genehmigen wir uns endlich unser Picknick, genießen dabei die von Vincent selbst gemachte Rillette und natürlich auch ein Gläschen Rotwein. Es wird nicht das einzige an diesem Tag bleiben.

Mit Schwung über den Strand

Nach dem Mittagessen steigen wir wieder in die Boote und rudern durch „la Chambre“ (dt. die Kammer), so wird die Lagune zwischen den verschiedenen Inseln genannt. Die Wellen sind hier zum Glück nicht so hoch, so dass man endlich einmal „vernünftig“ rudern kann. Unsere Runde führt uns vorbei an den Inseln Bananec, Guiriden, Penfret (die mit dem Leuchtturm) und Guéotec. Dabei umkreisen wir das sich in der Mitte der Lagune befindliche und 1755 erbaute Fort Cigogne, das lange Zeit die weltberühmte Segelschule „Les Glénans“ beherbergte. Auf Le Loc’h legen wir kurz an und inspizieren aus der Ferne den alten Schornstein. Hier wurde früher kommerziell Seegras verbrannt, um weiße Farbe zu erzeugen, die unter anderem für den Anstrich von Leuchttürmen genutzt wurde. Heute ist die Insel Privatbesitz der großindustriellen Familie Bolloré, weshalb wir hier auch nicht länger stören wollen. Auf dem Rückweg an den Nordstrand von Saint-Nicolas machen wir uns die kommende Flut zunutze. Der Strand, der eben noch Saint-Nicolas mit der Nachbarinsel Bananec verbunden hatte, wird gerade wieder vom Wasser überspült. Also raus mit dem Steuer und mit ein paar dicken Schlägen kräftig Schwung holen. Tatsächlich schliddern wir mit dem Kiel zwar ein wenig über den Sand, schaffen aber den „Sprung“ auf die Nordseite der Insel. Hier wartet dann noch einmal Schwerstarbeit auf uns. Wir müssen die 160 kg schweren Boote weit den Strand hochtragen, damit die Flut sie nicht erwischen kann.

Babylonisches Sprachenwirrwarr

Am Abend wird uns auf dem Rasen vor unserer Unterkunft stilvoll ein Aperitif kredenzt. Mittlerweile strahlt die Sonne vom plötzlich fast wolkenlosen Himmel. So genießen wir glücklich unseren Kir und lassen uns einmal mehr von dem goldenen Licht und dem türkisen Wasser um uns herum verzaubern. Spätestens jetzt wissen wir, dass wir hier etwas ganz Besonderes erleben dürfen.

Danach wird gegrillt. „Was sonst?“ möchte man fragen. Aufgrund der frischen Temperaturen essen wir aber lieber in dem warmen und vor allem windgeschützten Gemeinschaftsraum. Es wird viel gequatscht und die Verständigung klappt erstaunlich gut. Wir Deutschen bemühen unser Schulfranzösisch, die Franzosen ihrerseits ihr Schuldeutsch. Der Wein baut eventuell vorhandene Sprachhemmungen ab. Zwischendurch wird ins Englische gewechselt und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es bei unseren französischen Freunden ja noch die aus Deutschland stammende Martina und die aus den Niederlanden kommende Marianne, die für uns übersetzen können. Alles in allem ein babylonisches Sprachenwirrwarr, das einfach nur Gute Laune macht und uns ein Dauergrinsen ins Gesicht zaubert.

Nach dem Essen – es ist mittlerweile fast 24 Uhr – unternehmen wir noch einen Abstecher in die Bar „la Boucane“. Dort treffen wir auf Segler und – Überraschung! – auf andere Ruderer, die mit einer „Yole de Bantry“ auf die Insel gekommen sind. Dabei handelt es sich um ein 11 m langes und 2 m breites Holzruderboot für 10 Ruderer mit festen Rudersitzen. Mit Hilfe von Masten, die in der Mitte des Bootes aufgerichtet werden können, kann man mit einer solchen „Yole de Bantry“ auch segeln. Wir lernen, dass diese Bootsform ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert stammt und bei den Küstenruderern in Frankreich momentan sehr „en vogue“ ist.

Um ein Uhr nachts werden wir dann freundlich aber bestimmt aus der Bar heraus komplementiert. Sperrstunde. Vielleicht liegt es an der starken Dünung, die wir heute im Boot erlebt haben, vielleicht ist es aber auch der Alkohol. Jedenfalls wanken wir die paar Meter zurück zur Gîte Sextante und legen uns erschöpft in die Kojen.

Ein letzter, wehmütiger Blick zurück

Um acht Uhr morgens ist die Nacht vorbei. Noch ein wenig gerädert nehmen wir unser Frühstück ein. Es gibt Weißbrot, Crèpes und ganz wichtig: einen heißen Kaffee. Anschließend geht dann alles ganz schnell. Die Sachen zusammenpacken, auf die Segelboote verladen, die Stuben ausfegen, und dann geht es auch schon wieder ab zu den Booten. Francis gibt bekannt, dass wir heute mit denselben Mannschaften wie gestern rudern. Zusammen werden die schweren Boote wieder ins Wasser gehoben, die Skulls und das Steuer eingelegt, und schon rudern wir wieder zurück.

Ein letzter, leicht wehmütiger Blick zurück auf die Îles de Glénan, bevor sie wieder schemenhafte Striche am Horizont werden, die scheinbar schwerelos zwischen Himmel und Wasser schweben. Unser Ziel ist heute nicht direkt Concarneau, sondern das auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht befindliche Beg Meil. Dort wollen wir mittags unser Picknick einnehmen. Der Wind weht immer noch aus Südwesten, schiebt uns also in die richtige Richtung. Die vom Heck kommenden Wellen lassen unsere Ruderboote rollen und stampfen. Nichts für schwache Nerven oder von letzter Nacht angeschlagene Mägen. Nach einer guten Stunde Rudern erreichen wir wieder dieses einerseits frustrierende, andererseits faszinierende Niemandsland, das den Eindruck erweckt, sich nicht mehr von der Stelle zu bewegen. Die Zeit steht still. Das ist vor allem eine mentale Aufgabe. Nicht Nachdenken. Rudern!

Als wir Beg Meil endlich erreicht haben, setzt wieder „le crachat breton“ (die bretonische Spucke) ein. Schade, dass der Wetterbericht Recht behalten musste. So nehmen wir unser Picknick unter einer Überdachung im Hafen von Beg Meil ein und steigen danach wieder in die Ruderboote, um das letzte Teilstück quer über die Bucht nach Concarneau in Angriff zu nehmen. Der Regen wird immer heftiger und man hat das Gefühl nicht nur auf dem Wasser, sondern auch durch das Wasser zu rudern. Bei unserer Ankunft in Concarneau ist gerade Ebbe. Wir holen die Bootsanhänger aus dem Verein, schieben sie über den Strand ins knietiefe Wasser, wuchten mit vereinten Kräften die schweren Ruderboote darauf und schieben die Anhänger mit den aufgeladenen Booten zurück in den Verein. Das letzte Kapitel dieser Wanderfahrt gleicht dem bei anderen, uns bekannten Wanderfahrten: Boote und Material putzen. Da das Salzwasser besonders aggressiv ist, wird diese Pflichtaufgabe hier sehr gründlich, trotzdem aber zügig erledigt.

Zum Abschied werden die übrig gebliebenen Lebensmittel verteilt. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, ein großes Stück von Vincents selbst gemachter Rillette mitzunehmen. Danach beginnt die große Verabschiedungszeremonie – Küsschen links und Küsschen rechts. Schweren Herzens, aber mit dem guten Gefühl eines einzigartigen Erlebnisses und dem Wissen, neue Freunde hier in Concarneau gefunden zu haben, machen wir uns schließlich auf den Weg in unser Ferienhäuschen. Wir werden noch zwei Tage in der Bretagne bleiben, malerische Örtchen besuchen, entlang der Küste wandern, am Bélon Austern probieren und dabei an unser schönes Wochenende auf den Îles de Glénan zurückdenken.      

Patrick Osterloh

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